Ausgangssituation & Produktziel
Da es sich um das Redesign eines bestehenden Systems handelte, konnte auf umfangreiches, konkretes Nutzerfeedback aus dem Forum zurückgegriffen werden. Die dort dokumentierten Pain Points, Wünsche und Verbesserungsvorschläge bildeten eine belastbare, datengestützte Grundlage für die Anforderungsdefinition.
Zusätzlich wurden Business- und Produktziele definiert:
Businessziele
Steigerung der Lead-Generierung und Nachfrage nach Beratungsleistungen durch gezielte, nutzerzentrierte Platzierung von Service- und Sales-Angeboten innerhalb der Plattform.
Produktziele
Nutzer schnell und verständlich mit relevanten Informationen versorgen und sie kontextuell zu passenden Services und Beratungsangeboten führen, ohne die Nutzbarkeit der Plattform zu beeinträchtigen.
Kern-UX-Herausforderungen
Extreme Heterogenität der Nutzergruppen
Heavy User mit tiefem Systemverständnis vs. Gelegenheitsnutzer mit punktuellen Anliegen.
Hohe Veränderungssensibilität
Erhöhte Sensibilität gegenüber Veränderungen erfordert behutsame Einführung neuer Konzepte
Aktuelles Design ist nicht barrierefrei
Accessibility musste nicht nur „ergänzt“, sondern strukturell in Layout, Komponenten und Interaktionen verankert werden.
Eingeschränkte Nutzbarkeit auf mobilen Geräten
Niedrige Informationsdichte, optisch ähnliche Seiten & fehlende visuelle Hierarchien erschwerten die effiziente Nutzung auf mobilen Screens
Vorgehen & Methodik

Problemverständnis & Ziele
Klärung von Geschäfts- und Nutzerzielen, Analyse des Projektkontexts, Analyse der bestehende Informationsarchitektur, Journeys und Screens und Identifizierung der Kernprobleme

Research & Insights
Analyse vergleichbarer Forenplattformen und Online-Portale, Identifikation von Best Practices und Ableitung relevanter Designansätze für das Projekt, Auswerten von Nutzerfeedback

Zielgruppen & User Journeys
Analyse des aktuellen Rollenkonzeptes, Erstellen von darauf basierenden Personas, Nutzergruppen und User Journeys, Ermittlung von individuellen Painpoints und Bedürfnissen

Struktur & IA
Entwicklung erster Use Cases und Lösungsansätze, Aufbau klarer Strukturen und Nutzerflüsse, Erstellen einer verbesserten Sitemap, Hinterfragen historisch gewachsenener Strukturen

Grobkonzept & Wireframes
Erstellung eines strategischen Grobkonzepts, Entwicklung von ersten Wireframes, die sowohl Nutzerwünsche als auch UX-Best Practices berücksichtigen

Feinkonzept & Visual Design
Umsetzung visueller Hierarchien und Erstellung finaler Screens auf Basis eines bestehenden Designsystems, Fokus auf Barrierefreiheit nach WCAG, Testen erster Interaktionsideen

Testing & Iteration
Nutzerworkshop zur Validierung der eingeschlagenen Richtung, Validierung von Hypothesen, kontinuierliche Verbesserung der Lösungen auf Basis echter Erkenntnisse

Handover & Support
Genaue Dokumentation, Abstimmung mit Development, Begleitung der Umsetzung, Qualitätssicherung und fortlaufende Optimierungen nach dem Launch
Zentrale Design-Entscheidungen
Im Projekt wurden mehrere strategische UX-Entscheidungen getroffen, die maßgeblich Einfluss auf Nutzererlebnis, Produktstrategie und technische Umsetzung hatten. Die folgenden vier Entscheidungen zeigen die wichtigsten Weichenstellungen inklusive ihrer Auswirkungen und bewussten Trade-offs.
#1: Evolution statt radikalem Bruch
Höhere Akzeptanz, geringere Umstellungskosten, weniger visuelle Disruption
Weniger Spielraum für “gewagte” Lösungen
#2: Zweispaltige Layout-Logik
Mehr Inhalte „above the fold“, schnellere Orientierung, bessere Lesbarkeit, weniger Scrollen
Höhere kognitive Last
#3: Bewusstes Halten von Weißraum
Bessere Lesbarkeit, niedrigere kognitive Last, notwendig, um das Gesamtkonzept abzurunden
Bewusste Entscheidung gegen Wunsch der Heavy User Gruppe
#4: Reduzieren von Komplexität (Abos/Entwürfe)
Schnellere Orientierung, geringere Fehleranfälligkeit, positiverer Ersteindruck auf neue Nutzer
Frustration durch Wegfall gewohnter Funktionen
Ergebnis & Produkt-Impact

Verbesserte Orientierung auf der Plattform
Klarere Informationsarchitektur, visuelle Hierarchien und Farbkodierung erleichtern die Navigation durch Inhalte und Funktionen deutlich.

Barrierefreiheit systematisch verankert
WCAG-konforme Patterns wurden strukturell in Layouts, Komponenten und Interaktionen integriert.

Reduziertes Scrollen
Zweispaltige Layouts & kompaktere Darstellung reduzieren insbesondere auf mobilen Screens die Scroll-Tiefe und verbessern die Übersicht.

Hohe Akzeptanz bei Bestandsnutzer:innen
Die frühe und kontinuierliche Einbindung der Community führte zu hoher Identifikation und Akzeptanz der Veränderungen.

Zeitersparnis für Heavy User
Individuell anpassbare Workflows und Shortcuts beschleunigen wiederkehrende Aufgaben im Alltag spürbar.

Motivierendere Nutzung durch Gamification
Überarbeitete Badge-Mechaniken stärken Engagement und Beteiligung innerhalb der Community.
Key-Learnings
Fokus durch klaren Scope & strukturierte Feedbackschleifen
Klare Definition von Scope und Feedbackschleifen verhindert Scope Creep und sorgt für einen effizienten Workflow
Evidenz statt Annahmen: Nutzerfeedback & Personas
Datenbasiertes Nutzerfeedback und Personas ermöglichen präzisere Anforderungen und fundiertere Entscheidungen.
Frühe Validierung durch kontinuierliche Nutzerbeteiligung
Frühe und kontinuierliche Nutzerbeteiligung sichert Konzepte und Informationsarchitektur frühzeitig ab.
Iterative Verbesserung durch kontinuierliche Validierung
Regelmäßige Validierung ermöglicht die fortlaufende Optimierung von Design und Informationsarchitektur entlang realer Nutzung.



